Nicole nörgelt...über zu kurze Pommes und Regelwahn
Von Nicole
KOLUMNE | Dieses ehemals so fortschrittliche Land kämpft mit den Auswirkungen des Klimawandels (auch wenn es immer noch Politiker gibt, die behaupten, den Klimawandel gäbe es nicht). Und nur zwei Tage, nachdem in Rheinland-Pfalz ein Mensch gestorben ist, Häuser und Bäume umgerissen und Straßen überschwemmt wurden, kommt morgens in den Nachrichten, dass in diesem Jahr die geernteten Kartoffeln zu klein sind, um die Anforderungen für Pommes zu erfüllen. Ist klar.
KOLUMNE! Was läuft in diesem Land eigentlich so falsch, dass es keine dringenderen Probleme gibt, als den Landwirten jetzt auch noch wegen völlig schwachsinniger Regeln das Leben noch weiter schwer zu machen? Dabei geben doch sowieso schon mehr und mehr Landwirte ihre Höfe auf, weil der Betrieb aufgrund der Vorgaben nicht mehr rentabel ist. Und Arbeitskräfte gibt es ja auch nicht mehr, denn auf dem Hof müssten sich Torben-Iltis-Rübenkopf und seine Gang schließlich die Finger schmutzig machen und echte Arbeit leisten. Geht ja gar nicht, Fleisch kommt schließlich aus dem Supermarkt und wächst in der Tiefkühltruhe – so wohl die allgemeine Annahme einiger Menschen. Wer braucht denn schon Allgemeinbildung?
Pommes mit Mindestmaß
Die Kartoffeln in diesem Jahr sind wegen der lange anhaltenden Trockenheit einfach kleiner als in den Vorjahren. Eigentlich kein Problem, weil Kartoffel ja nun mal Kartoffel ist, wenn, ja wenn nicht irgendein schlauer Büromensch auf die Idee gekommen wäre, eine Vorschrift zu erstellen, die besagt, dass nur Kartoffeln mit mindestens 40 Millimeter Durchmesser und 80 Millimeter Länge die Voraussetzung erfüllen, zu Pommes verarbeitet werden zu dürfen. Was für ein Blödsinn! Statt froh über alles zu sein, was trotz Dürre und Hitze geerntet wird und absolut genießbar ist, reiten die Deutschen mal wieder auf irgendwelchen Paragrafen herum.
Und liebe Paragrafenreiter, jetzt möchte ich, dass ihr mir mal den Trucker-Toni zeigt, der in seiner knapp bemessenen Pause am Imbiss sitzt und die Länge der Pommes in seiner Currywurst mit Fritten nachmisst. Große Überraschung, dazu hat der weder Zeit noch Lust und am Geschmack ändert es schließlich auch nichts.
Obst und Gemüse nach Maß und Vorschrift
Aber die Diskussion um die pommeswürdige Kartoffel ist ja nur die Spitze des Eisbergs: Gurken, die zu kurz und zu krumm sind und deswegen vernichtet werden müssen, obwohl sie völlig genießbar sind. Äpfel und Birnen, die ob der nicht regelgerechten Form aussortiert werden, obwohl mit ihnen alles in Ordnung ist. Mohrrüben, die nicht gerade genug sind und deswegen nicht in den Handel dürfen. Eier (insbesondere von jüngeren Hühnern), die zu klein sind und weggeworfen werden, statt sie einfach für einen kleineren Preis zu verkaufen. Diese Aufzählung ließe sich noch endlos weiterführen, aber ich denke, es reicht, um den Standpunkt klarzumachen. Während die Preise für die Lebenshaltung immer weiter steigen und in vielen Teilen der Welt Hunger herrscht, schmeißen wir in diesem Land tonnenweise Lebensmittel weg, nur weil sie nicht irgendwelchen komplett hirnrissigen Normen entsprechen. Was ist eigentlich falsch mit den Leuten hier in den Verwaltungen?
Wie wäre es, wenn wir uns mal den dringenden Problemen in diesem Land widmen würden, statt immer mehr Dinge völlig sinnfrei zu verwalten und zu regulieren? Ich bin absolut dafür, dass es verbindliche Regeln für das gesellschaftliche Zusammenleben gibt, da leider offensichtlich der gesunde Menschenverstand nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden ist. Aber diese Regeln sollten den Missbrauch des Sozialstaates, Steuerbetrug, Gewaltdelikte, Jugendschutz und andere Dinge, die der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft immensen Schaden zufügen, regeln und bestimmt nicht, wie groß unsere Kartoffeln und wie gerade unsere Salatgurken sein müssen.
In diesem Sinne, liebe Leser, essen wir doch einfach unser Obst und Gemüse so, wie es wächst. Schließlich handelt es sich um ein Naturprodukt und für mich ist entscheidend, dass es schmeckt und gesund ist und nicht, ob es ein regelkonformes Aussehen hat.
Ihre Nicole
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Die satirische Kolumne ist ein regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag, der unter einem festen Namen und mit einer unverwechselbaren, persönlichen Handschrift wechselnde – meist aktuelle – Themen aufgreift. Sie gibt ausdrücklich die subjektive, oft satirisch zugespitzte Sicht der Autorin wieder und erhebt bewusst keinen Anspruch auf ausgewogene Berichterstattung. „Nicole" ist dabei eine fiktive Kunstfigur, durch die gesellschaftliche Themen pointiert kommentiert werden.
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Nicole nörgelt
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