Werbung

Nachricht vom 16.08.2026    

Spiegel-Bestseller: Zwei Großmütter, zwei Weltkriege und die deutsche Geschichte

Von Helmi Tischler-Venter

Im urigen Wasserturm Großmaischeid las die Autorin Katharina Fuchs aus ihrem Spiegel-Bestseller „Zwei Handvoll Leben“. Gemäß dem Motto des Westerwälder Literatursommers „Die goldenen Zwanziger“ spielt der Familienroman vor hundert Jahren. Die Protagonistinnen Charlotte und Anna sind die Großmütter der Autorin. Fuchs’ Beschreibung ihrer Suche nach der Wahrheit erfreute das Publikum besonders.

Autorin Katharina Fuchs im Wasserturm Großmaischeid. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Großmaischeid. Für Katharina Fuchs stellte sich zunächst die Frage: „Wie fühlt es sich an, mitten in der Geschichte zu leben?“ Im Vorwort erklärt sie: „Dies ist die Geschichte meiner Großmütter. Beide wurden 1900 in derselben Woche geboren.“ Sie konnten nicht wissen, dass 45 Jahre später Deutschland in Trümmern liegen würde. Nach zwei Weltkriegen, Elend und Aufbruch trafen sie sich 1953 durch die Ehe ihrer Kinder Gisela und Felix.

Großmutter Charlotte erzählte ihrer Enkelin vom prächtigen Hofgut in Sachsen, auf dem sie aufgewachsen war und hinterließ Tagebücher, die ihr Leben veranschaulichten. Ihr Alltag und ihre Träume lassen sich daraus ablesen. Fuchs verwebte die Erkenntnisse in spannende Romanform.

Charlottes Vater Richard war ein kluger Landwirt voller Leidenschaft, der sein Land durch Kredit erworben hatte. Charlotte blickte in eine glänzende, sichere Zukunft. 1914 begegnete Charlotte ihrer ersten großen Liebe, dem Notar Leo Händel aus Chemnitz. Von ihm erhielt sie ihren ersten Kuss. Der Weltkrieg zerstörte die Idylle der jungen Leute.

Auch das Leben der Oma Anna verlief 1914 in geordneten Bahnen. Sie hatte das Glück, als Tochter eines Schlossers trotz Geldmangels eine Schneiderlehre machen zu dürfen, denn damals musste Lehrgeld gezahlt werden. Annas Freund Erich erschien eines Nachts vor Annas Haus, mit einem bestimmten Pfiff machte er auf sich aufmerksam. Er kam, um sich von Anna zu verabschieden, weil er sich zum Militärdienst gemeldet hatte. Zum Abschied gab er der Freundin den ersten Kuss.



Beide Großmütter erzählten von ihren großen ersten Lieben, die sie nie vergessen konnten. Diese Seelenverwandtschaft war die Gemeinsamkeit zwischen den Frauen, nach der die Schriftstellerin mehr als ein Jahrzehnt gesucht hatte. Die Erkenntnis ermöglichte es ihr, die Familiengeschichte als Generationenroman zu schreiben.

Zur Recherche fuhr Fuchs nach Berlin ins KaDeWe, wo Oma Anna als Textilverkäuferin gearbeitet hatte. Das Herrenhaus in Sachsen war abgerissen worden. In Gesprächen mit ihren Eltern, die 1925 und 1929 geboren wurden, erhielt sie Antworten auf viele Fragen.

Die Skrupel der Autorin vor einer Veröffentlichung wischte ihre Mutter mit der Bemerkung beiseite: „Schreib einfach alles auf.“ Das Buch fand zum Glück ihren Gefallen. Die freundliche Katharina Fuchs signierte im Anschluss viele Bände. Sie freute sich auch über das Geschenk, mit dem die Veranstalter ihren Auftritt in Großmaischeid versüßten.

Die Fortsetzung der Familiengeschichte ist in „Neuleben“ festgehalten. Das Buch schildert die Geschichte von Mutter und Tante in den 1950er- und 1960er-Jahren.

Weitere Lesungen im Rahmen der Westerwälder Literaturtage finden Sie unter ww-lit.de. htv


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke  
Lokales: Dierdorf & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Kultur


Ein ungewöhnlicher Abend über Taras Schewtschenko in Neuwied

Am Montag, dem 24. August, erwartet die Besucher der VHS Neuwied ein besonderes kulturelles Ereignis. ...

INFLAGRANTI bringt Shakespeares Klassiker zurück nach Rommersdorf

Die Theatergruppe INFLAGRANTI feiert ihr 36-jähriges Bestehen mit einer besonderen Wiederaufnahme. In ...

Hühner sind auch nur Menschen – Antonia Fournier stellt aus

Antonia Fournier aus Oberdreis besitzt einen scharfen Blick für Lebewesen in ihrer Umwelt. Aufgrund ihrer ...

Wolfgang Trepper in Ransbach-Baumbach: Kabarett zwischen Wutausbruch und leisen Tönen

Am 27. September 2026 wird Wolfgang Trepper die Stadthalle Ransbach-Baumbach mit seinem einzigartigen ...

Wissenschaftlerstreit im Hotel: Daniel Mellem liest aus "Einstein im Bade"

Im Rahmen der Westerwälder Literaturtage präsentiert Daniel Mellem seinen Roman "Einstein im Bade". Die ...

Kunst im Wandel: Ausstellung "11 bis 8" in Linz am Rhein

Am 8. August 2026 eröffnete der Kunstverein Linz am Rhein die Ausstellung "11 bis 8" von Franca Perschen ...

Weitere Artikel


Rückblick auf die Sommerfreizeit in Neuwied: Kreativität und Abenteuer für 170 Kinder

In Neuwied erlebten über 170 Grundschulkinder einen Sommer voller spannender Aktivitäten. Die Angebote ...

Wald- und Wiesenbrand bei Langscheid unter Kontrolle - Nachlöscharbeiten gehen weiter

Nach einem großen Wald- und Wiesenbrand bei Langscheid im Landkreis Mayen-Koblenz hat sich die Lage stabilisiert. ...

Der Rhein im Wandel: Trockenheit und ihre Folgen

Die Trockenheit der letzten Monate hat den Rhein vor neue Herausforderungen gestellt. Niedrige Wasserstände ...

Magischer Lichterglanz zum 75. Jubiläum: Waldbreitbach feiert ein fulminantes "Wied in Flammen"

Am Samstagabend verwandelte sich das idyllische Wiedufer in Waldbreitbach in ein funkelndes Lichtermeer. ...

Rhein-Niedrigwasser bleibt trotz Regen bestehen: Experten warnen vor langer Dürre

Trotz angekündigter Niederschläge wird das Rhein-Niedrigwasser wohl noch bis in den Herbst andauern. ...

Ein ungewöhnlicher Abend über Taras Schewtschenko in Neuwied

Am Montag, dem 24. August, erwartet die Besucher der VHS Neuwied ein besonderes kulturelles Ereignis. ...

Werbung