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Nachricht vom 09.06.2026    

Satiriker Jacques Tilly vor russischem Berufungsgericht

Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly steht erneut im Fokus der russischen Justiz. Der Revisionsprozess gegen ihn beginnt in Moskau.

Jacques Tilly. (Foto: Oliver Berg/dpa)

Düsseldorf/Moskau. Im April wurde Jacques Tilly in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. An diesem Dienstag soll nun der Revisionsprozess beginnen, angesetzt ist die Verhandlung für den Morgen vor dem Moskauer Stadtgericht. Unklar bleibt, was genau Gegenstand des Prozesses ist. Ob die Staatsanwaltschaft oder die Verteidigung die Revision beantragt habe, wisse er nicht, sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur.

Die Pflichtverteidigerin hatte Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert, während die Staatsanwaltschaft neun Jahre Straflager verlangte. Die Verteidigung habe versucht, Kontakt mit Tilly aufzunehmen, sei jedoch gescheitert - die deutsche Botschaft in Moskau konnte dabei nicht vermitteln, erklärte die Pflichtverteidigerin. "Aufgrund dessen war es nicht möglich, die Ziele und Motive zu beurteilen." Der Prozess wird von Mitarbeitern der deutschen Botschaft beobachtet.

Ein Moskauer Gericht hatte im April geurteilt, dass Tilly sich mit seinen Darstellungen im Düsseldorfer Rosenmontagszug der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht habe. Tilly hatte immer wieder Kremlchef Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine satirisch angeprangert. Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill wurde verspottet. Tilly äußerte, er sei davon ausgegangen, dass die Angelegenheit mit dem Urteil erledigt gewesen sei, und lasse sich nun überraschen, was geschehen werde. Er habe bis heute keinen Kontakt zur Verteidigung gehabt.

Mit der Verurteilung müsse er leben, erklärte Tilly gelassen. "Worauf ich keinen Einfluss habe, das interessiert mich nicht besonders", sagte er. "Ich habe keine Handlungsoption." Er betonte, dass harte Reaktionen zum Geschäft eines Satirikers gehören: "Das ist eingepreist. Ich nehm's eher gelassen - wie soll ich's sonst nehmen?"




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Besonders um einen Karnevalswagen Tillys ging es in dem Prozess. In der Verhandlung wurde mehrfach sein Wagen aus dem Jahr 2024 beschrieben, auf dem Putin in Uniform und Patriarch Kirill beim homosexuellen Oralverkehr dargestellt sind. Nach Anschuldigungen wegen angeblicher Verunglimpfung der Armee wurden in Russland viele Kriegsgegner der Invasion in die Ukraine verurteilt. Diese Urteile stehen international als Unrechtsurteile der russischen Justiz in der Kritik.

Tilly muss keine Auslieferung von Deutschland nach Russland befürchten, könnte aber bei Reisen in Länder Probleme bekommen, die von Moskau gesuchte Straftäter ausliefern. Moskau könnte ihn zur Fahndung bei Interpol ausschreiben. Die Bundesregierung kritisierte das Urteil als "absurdes Schauspiel". "Die Verurteilung von Jacques Tilly zeigt, dass Kriminalisierung und Verfolgung freier Meinungsäußerung durch die russische Regierung unvermindert weitergehen - aber jetzt auch verstärkt im Ausland", sagte der deutsche Botschafter Alexander Graf Lambsdorff in Moskau. Deutschland bekenne sich zur Freiheit der Kunst.

Tilly ist bekannt für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug, die regelmäßig auf Titelseiten erscheinen. Bereits mehrfach widmete er seine Mottowagen Putin. Eine Arbeit zeigt den Kremlchef in einer ukrainischen Wanne - in Blut badend. In diesem Jahr gab es einen Wagen mit Blick auf den Prozess in Moskau, auf dem Putin in Uniform die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz mit einem Schwert aufspießt.

Eine Staatsanwältin trug zudem Interviewaussagen Tillys zu seiner Kritik an Putins Krieg gegen die Ukraine vor. Es ging um Vorwürfe gegen die russischen Streitkräfte wegen der Tötung ukrainischer Zivilisten. Den Ermittlungsakten zufolge wird Tilly auch Hass auf Russen vorgeworfen. (dpa/bearbeitet durch Red)


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