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Nachricht vom 20.01.2018 - 18:42 Uhr    

Lange Unterzahl wird Bären zum Verhängnis

Gefühlswelt und Fan-Dank in einem Satz: „Nach einer Niederlage in die Kurve zu gehen und Gänsehaut zu haben - schafft nur ihr." Christian Neumann, Verteidiger des EHC „Die Bären" 2016, machte kurz nach Mitternacht via Facebook klar, in welcher Stimmung er den Derby-Freitag hinter sich ließ. Knapp anderthalb Stunden vorher standen die Neuwieder Eishockeyspieler mit dem Ertönen der Schlusssirene in der Eissporthalle am Diezer Heckenweg zwar als Verlierer des Nachbarschaftsduells bei der EG Diez-Limburg fest, aber die zahlreich mitgereisten EHC-Anhänger bewiesen mit stehenden Ovationen das richtige Gespür für die Leistung der Bären.

Neuwied. Mit 4:5 zogen sie beim Tabellenführer der Regionalliga West den Kürzeren, doch die Art und Weise, wie sich die Deichstädter bei den Rockets präsentiert hatten, macht Lust auf mehr. „Wir haben super gespielt", brauchte Neuwieds Trainer Daniel Benske nur vier Worte, um die Leistung seines Teams zu bewerten, das ohne den gesperrten Torjäger Martin Brabec und Robin Schütz auskommen musste. Auf der anderen Seite fehlten Arno Lörsch, Marijus Maier, Julian Grund, Ville Kärkäs, Steve Themm und Dennis Stroeks - trotzdem gab es bei den Rockets keine freie Zeile auf dem Spielberichtsbogen. Mit den beiden Nachverpflichtungen von unter der Woche sowie Bad Nauheimer Förderlizenz-Unterstützung standen 22 Mann zur Verfügung.

Die Bären knüpften nahtlos an die hochengagierten Leistungen der zurückliegenden Wochen an, fuhren jeden Check zu Ende, liefen den Gegner früh an und stellten die Diezer und Limburger damit vor einige Probleme. Folglich gingen die Gäste im ersten Drittel verdient mit 2:0 in Führung. Deion Müller setzte den ersten ernsthaften Schuss auf Constantin Schönfelder auf Anhieb unter die Latte (4.), und Michael Jamieson erhöhte per Bauerntrick auf 0:2 (13.). Perfekter Start des EHC, der zudem die geballte Offensivpower der Raketen mit Joey Davies, Matt Fischer und Konstantin Firsanov so gut aus dem Spiel nahm, wie es eben ging und es kaum eine andere Mannschaft in dieser Saison bislang geschafft hatte.

Wann immer möglich, versuchte Benske Tobias Etzel, Sven Schlicht und Deion Müller gegen die erste EGDL-Reihe aufs Eis zu schicken und traf damit eine prima Entscheidung. Die Tore zum Ausgleich gingen nicht von ungefähr auf die Konten anderer Spieler. Emanuel Grund, genauso wie Nikolai Varianov erst am Donnerstag nach Diez gewechselt, verkürzte in der 16. und André Bruch egalisierte nach einem starken Solo entlang der Bande in der 30. Minute zum 2:2. Neuwied ließ das nicht lange auf sich sitzen. Nur anderthalb Minuten später holte Dennis Schlicht die Führung zurück.

Die schließlich spielentscheidende Situation ereignete sich nach 36:08 Minuten auf der linken Seite des Diezer Verteidigungsdrittel: EHC-Angreifer Moritz Schug trifft Kevin Schophuis, dabei landet der Ex-Lauterbacher in der Bande, wird später mit Halskrause und auf der Trage vom Eis geschoben, während Schiedsrichter Sascha Westrich den Gästespieler mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe zum Duschen schickt. Der Unparteiische sprach wegen eines Fouls mit Verletzungsfolge die große Strafe aus, die später für Diskussionsstoff sorgte, weil Schophuis im letzten Drittel wieder voller Tatendrang mitmischte.

Westrich vermerkte den Umstand in einem Zusatzbericht. Nur das konnte der Referee aus Poppenweiler zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, sodass die EGDL eine fünfminütige Überzahlsituation erhielt und in dieser Phase die Partie für sich vorentschied. „Wir haben da leider die Ordnung verloren", haderte Benske. Konstantin Firsanov glich in der 40. Minute zum 3:3 aus, und die Bären sollten noch nicht einmal mit dem Remis zum zweiten Mal in die Kabine gehen, weil zwei Sekunden vor der Pause Philipp Maier das Ergebnis drehte. Noch immer mit einem Mann mehr auf dem Eis, erhöhte Matt Fischer auf 5:3 (41.).

„Aber wir haben großes Herz gezeigt", kommentierte der EHC-Coach die starke Endphase seines Teams, das den Unterzahl-Schock nicht an sich heranließ und bei gleicher Mannschaftsstärke wieder den besseren Eindruck hinterließ. Deion Müller hatte in der 50. Minute den Anschlusstreffer auf der Kelle. Der fiel, als Stephan Fröhlich in Überzahl einnetzte (57.). „Wir hätten das Ding heute auch genauso gut gewinnen können. Auch wenn wir klasse gespielt haben, ärgert mich diese Niederlage", fand Benske. Worte, die er im Kabinengang sprach, nachdem es seitens mehrerer EGDL-Verantwortlicher geheißen hatte, ein offizielles Trainergespräch würde an diesem Abend nicht stattfinden und bevor die Gastgeber später die offizielle Darstellung wählten, Benske habe an der Pressekonferenz nicht teilgenommen.

„Ich hätte durchaus etwas zu sagen gehabt", wunderte sich der 36-Jährige im Nachhinein. Diese offensichtlich dann doch abgehaltene Pressekonferenz hätte beinahe erst später auf der Tagesordnung gestanden: Andreas Wichterichs Strahl von der blauen Linie verpasste nämlich nur ganz knapp das Ziel - es wäre das 5:5 gewesen und hätte möglicherweise die Verlängerung in einem Spiel bedeutet, das alle Erwartungen erfüllte, und hinten heraus auch Inhalte bot, die mit den Fäusten geklärt wurden: Dennis Schlicht und Pierre Wex kannten bei ihrem beherzten Fight keine Hemmungen, Tobias Etzel und Philipp Maier hatten ebenfalls eine Meinungsverschiedenheit, und der wiedergenesene Schophuis wollte es mit Marco Herbel aufnehmen.

„Das war ein Vorgeschmack auf die Play-offs", zeigte sich Neuwieds Manager Carsten Billigmann angetan von der intensiven Spielweise seiner Mannschaft. „Man hat heute deutlich gemerkt, dass die Diezer weich sind, wenn man konsequent auf den Mann geht. Wir werden diese Gangart beibehalten, und ich bin überzeugt davon, dass wir so noch unsere Erfolge haben werden."

Diez-Limburg: Schönfelder (Haseloff) - Löwing, Schophuis, Ansink, Krämer, E. Grund - Niestroj, Davies, Bruch, Fischer, Firsanov, Wex, Flemming, P. Maier, Mainzer, Böhm, Kail, Martaller, Varianov, Langer, Rost.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) - Pering, Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann - Fröhlich, Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Sascha Westrich.
Zuschauer: 1089.
Strafminuten: 12 + Disziplinarstrafe gegen Firsanov : 21 + Disziplinarstrafe gegen D. Schlicht + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Schug.
Tore: 0:1 Deion Müller (S. Schlicht) 4', 0:2 Michael Jamieson 13', 1:2 Emanuel Grund (Böhm, Flemming) 16', 2:2 André Bruch (Langer) 30', 2:3 Dennis Schlicht (Etzel, Jamieson) 31', 3:3 Konstantin Firsanov (Davies, Fischer) 40', 4:3 Philipp Maier (Davies, Fischer) 40', 5:3 Matt Fischer (Ansink) 41', 5:4 Stephan Fröhlich (Jamieson) 57'.

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