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Nachricht vom 06.01.2018 - 16:52 Uhr    

Bären feiern Arbeitssieg in Lauterbach

Carsten Billigmann bläst die Backen auf und atmet tief durch, Daniel Benske kriecht ein gelöstes Lächeln aufs Gesicht – den Neuwieder Verantwortlichen und Spielern ist die Erleichterung anzusehen, als Michael Jamieson von der rechten Seite auf das verwaiste Lauterbacher Tor zusteuert und den Puck mit einem Flachschuss in die Maschen setzt.

Starkes Debüt: Neuwieds Neuzugang Carsten Hohmann spielte gegen seinen Ex-Klub und bereitete das Tor zum 4:6 vor. Foto: EHC

Neuwied. 17 Sekunden vor dem Ende des Regionalligaspiels zwischen den Lauterbacher Luchsen und dem EHC „Die Bären" 2016 erzielt der US-Amerikaner per Empty-Net-Goal das Tor zum 5:7, es ist die Entscheidung an einem Abend des offenen Schlagabtauschs, der dem EHC beim Einstand von Trainer Benske auf Anhieb einen Dreier einbringt.

„Am Anfang ist es am wichtigsten, dass wir überhaupt die Punkte holen, und das haben wir heute geschafft", sagte der neue Bären-Coach nach dem Arbeitssieg im Oberhessischen. „Die Mannschaft hatte eine Vorgabe. Dass im ersten Spiel nicht alles 100-prozentig funktionieren kann, ist klar. Aber für den Anfang war das absolut in Ordnung. Vor allen mit der kämpferischen Leistung bin ich zufrieden." Auch wenn Spieler und Trainer unter der Woche erst zweimal gemeinsam auf dem Eis standen („Es waren zwei gute Einheiten"), war Benskes Handschrift mitunter schon gut zu erkennen. Die Bären spielten aggressiv, checkten früh vor, attackierten die Einheimischen schon im Spielaufbau und provozierten so einige Scheibengewinne. Auf den Leib geschneidert zu sein scheint diese Aufgabe Martin Brabec, dem kein Weg zu weit war und einen Lauterbacher nach dem nächsten unter Druck setzte.

Im ersten Abschnitt geizten beide Teams nicht mit offensivem Erfolg, aber eben auch nicht mit defensiven Fehlern. Drei Tore hüben wie drei drüben ließen die Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Deion Müller, nach seinem im Hinspiel gegen Lauterbach vor rund vier Wochen erlittenen Cut mit Vollvisier unterwegs, behielt auch mit Gitter in der vierten Minute den Durchblick und erzielte das 0:1, das Daniel Schindler (4.) und ECL-Neuzugang Robert Sokol (11.) mit zwei Abprallern drehten. Dann das erste Überzahlspiel der Bären, und in dieser Disziplin fielen sie im ersten Spiel des Jahres besonders positiv auf. Martin Brabecs Schuss aus der zweiten Reihe (13.) war der erste von drei Powerplaytoren. Aber wie schon nach Müllers 0:1 konnte man den Rückenwind nicht lange genießen. Benjamin Schulz nutzte einen Fehlpass im Spielaufbau zum 3:2 (14.). Dass die Bären nicht mit einem Rückstand in die Kabine gingen, lag an Philipp Dieser. Der 18-jährige Verteidiger zog ab, ein Lauterbacher fälschte ab – es war in dieser Situation das Quäntchen Glück, das sich die Neuwieder verdienten und dem Verteidiger sein erstes Regionalliga-Tor bescherte.

Bei gleichem Kräfteverhältnis war Neuwied am Drücker, nur blieben die Fünf-gegen-fünf-Phasen im zweiten Drittel selten. 14 Strafminuten kassierten die Gäste zwischen der 20. und 40. Minute, und trotzdem machten sie aus dem Remis nach dem ersten Abschnitt eine 6:4-Führung. Michael Jamieson (21.), Willi Hamann (33.) und Sven Schlicht (34.) überlisteten Luchse-Torwart Sebastian Grunewald. Auf der Gegenseite hatte Lauterbachs Deutsch-Tscheche Jan Hammerbauer zwischenzeitlich zum 4:4 egalisiert (30.).

Nach der ersten und zweiten Reihe verewigte sich beim Doppelschlag zum 4:5 und 4:6 innerhalb von 69 Sekunden auch Formation Nummer drei auf dem Spielberichtsbogen. „Die haben bereits richtig gut funktioniert", freute sich Manager Carsten Billigmann. Warum er das besonders betonte? Neben Willi Hamann und Sven Schlicht stürmte mit Carsten Hohmann eine kurzfristige Nachverpflichtung der Neuwieder. Der 20-jährige Angreifer hatte erst unter der Woche in Lauterbach eine Freigabe erwirkt und bestritt sein erstes Spiel für die Deichstädter direkt gegen seinen Ex-Klub. „Carsten hat heute bereits gezeigt, dass er eine Verstärkung ist, die unserem Kader noch mehr Tiefe verleiht", so Billigmann über den gebürtigen Kölner, der Schlichts 4:6 vorbereitete.

Die Benske-Truppe schien mit diesem Zwischenstand das Heft in der Hand zu haben und es nur noch bis zur letzten Seite weiterblättern zu müssen, zumal sie eingangs des Schlussabschnitts eine fast zweiminütige doppelte Unterzahl überstanden. Dann stellte Lauterbach jedoch auf zwei Reihen um und erhöhte den Druck. Bei Patric Kaliszewskis Schuss an den Innenpfosten hatten die Bären Glück und bei dicken Gelegenheiten von Benjamin Schulz sowie Jan Hammerbauer ihren Torhüter Lukas Schaffrath als Retter in der Not. Der stand in der 57. Minute ein weiteres Mal im Mittelpunkt, als Robert Sokol gehakt wurde, von Schiedsrichter Ralf Kubiak einen Penalty zugesprochen bekam, sich bei diesem jedoch verzockte und selbst überspielte.

In der spannenden Endphase hielten die Gäste ihre Sinne zusammen und die Konzentration hoch. Stephan Fröhlich blockte einen Schuss von der blauen Linie, die Scheibe gelangte auf die rechte Seite zu Michael Jamieson, und der setzte zum Solo an, das mit dem erfolgreichen Abschluss Carsten Billigmann durchatmen und Daniel Benske strahlen ließ.

Ganz anders das Bild auf der Bank nebenan: Dort saß Lauterbachs Schweizer Coach Thomas von Euw in sich gekauert wie ein Häufchen Elend. Seine Mannschaft hatte eine ihrer besten Saisonleistungen gezeigt, bekam dafür aber keinen Lohn.

Lauterbach: Grunewald (Stenger) – Jüngst, Apel, Zizka, Grund, Berk – Kaliszewski, Knieling, Weitzer, Schulz, Sokol, Schindler, Pietschmann, Lichnovsky, Hammerbauer.
Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, Schütz, Neubert, Dieser, D. Schlicht, Wichterich – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Ralf Kubiak.
Zuschauer: 330.
Strafminuten: 14:22 + Disziplinarstrafe gegen Schug.
Tore: 0:1 Deion Müller (Schug) 4', 1:1 Daniel Schindler (Apel, Grund) 4', 2:1 Robert Sokol (Zizka) 11', 2:2 Martin Brabec (Fröhlich) 13', 3:2 Benjamin Schulz (Schindler) 14', 3:3 Philipp Dieser 16', 3:4 Michael Jamieson (Fröhlich, Brabec) 21', 4:4 Jan Hammerbauer 30', 4:5 Willi Hamann (Etzel, Müller) 33', 4:6 Sven Schlicht (Hohmann, Hamann) 34', 5:6 Knut Apel (Sokol, Jüngst) 43', 5:7 Michael Jamieson 60'.

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