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Nachricht vom 07.12.2017 - 15:22 Uhr    

"Stählerner Riese" in Willroth auch 2018 zu besichtigen

Der "Stählerne Riese" an der A 3 in Willroth kann auch 2018 wieder besichtigt werden. Ein Blick in die Geschichte des Erzbergbaus im Wieder Bezirk.

Schon seit Kindheit an befasste sich Hans-Jürgen Kalscheid mit dem Bergbau, besonders auch mit der Grube Georg in Willroth. Er referierte in Oberlahr im Hotel "Der Westerwald Treff" anlässlich der Mitgliederversammlung des Fördervereins Bergbau- und Hüttentradition über den Erzbergbau im Wieder Bezirk. Fotos: Schmidt-Markoski

Willroth. Der Förderturm der ehemaligen Eisenerzgrube Georg (1952-1954 errichtet) erhebt sich weithin sichtbar über die BAB 3. Nach der Schließung der Grube am 31. März 1965 wurde er 1988 als Industriedenkmal ausgewiesen und restauriert. Auch im neuen Jahr kann der 56 Meter hohe Turm wieder besichtigt werden.

Der weithin sichtbare "stählerne Riese" an der A 3 in Willroth gilt als Wahrzeichen für den Erzbergbau an Wied und Sieg. Hans-Jürgen Kalscheid (Vorsitzender der Bürgerinitiative Willroth - BIW) hielt in der Mitgliederversammlung des Fördervereins Bergbau- und Hüttentradition in der Verbandsgemeinde Flammersfeld einen Rückblick auf 2017 und einen Ausblick auf das neue Jahr. Dabei zog Kalscheid ein positives Fazit hinsichtlich der Arbeit der BIW (Bürgerinitiative Willroth), bei der die Erinnerung an die Bergbautradition und besonders der Förderturm der ehemaligen Grube Georg in Willroth im Mittelpunkt stehen.

Führungen auf dem Förderturm der Grube Georg
Über 700 interessierte Besucher nahmen 2017 an den Führungen auf Grube Georg teil. Die Ausstellung in der Hängebank des Förderturms rund um den Erzbergbau, die eindrucksvoll die Arbeit des Bergmanns auch unter Tage dokumentiert, konnte um verschiedene Exponate erweitert werden.

Feierliche Eröffnung der neuen Förderturm-Führungs-Saison am 14. April
Am Samstag, 14. April 2018, um 14 Uhr, startet mit einer Eröffnungsfeier die neue Saison der Führungen auf dem Willrother Förderturm. Der Turm ist von Mitte April bis Ende Oktober an jedem dritten Samstag im Monat zugänglich, allerdings nur im Rahmen einer Führung um 14.30 Uhr. Diese werden ehrenamtlich geleitetet. Andere Termine können vereinbart werden. Dabei kann man die herrliche Aussicht genießen, aber auch Näheres über das Bauwerk und den Erzbergbau erfahren. Kinder unter 14 Jahren dürfen aus Sicherheitsgründen nur an den Führungen im Gebäude, nicht aber an der Besteigung des Turmes bis zu den Seilscheiben teilnehmen. Die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr! Für Besichtigung und Führung zahlen Jugendliche bis 14 Jahre 1,50 Euro, Jugendliche ab 15 Jahre und Erwachsene 2,50 Euro. Sonderführungen für Gruppen unter zehn Personen kosten pauschal 25 Euro. Ein Anteil der erlösten Eintrittsgelder geht an den Förderverein für die Bergbau- und Hüttentradition in der Verbandsgemeinde Flammersfeld. Infos/Anmeldungen zu den Führungen beim Vorsitzenden der BIW: Jürgen Kalscheid, Tel.: 02687/7909043.

Erzbergbau im Wieder Bezirk des Siegerländer Erzbergbaus
Hans-Jürgen Kalscheid, Sohn des letzten Betriebsleiters auf Georg, Stefan Kalscheid, stellte anlässlich des Barbaratages während der Mitgliederversammlung des Fördervereins Bergbau und Hüttentradition, den früheren Erzbergbau im Wieder Bezirk des Siegerländer Erzbergbaus ausführlich dar. Kalscheid: "In der heutigen VG Flammersfeld waren alleine sieben Gruben angesiedelt. Die größte Grube war die Grube Georg mit sechs Millionen geförderten Tonnen Eisenstein". Geschildert wurde die historische Entwicklung des heimischen Bergbaus, der auch beispielhaft für das ganze Siegerland steht.

Gezeigt wurde der Bergbau, beginnend mit dem Abbau des Raseneisensteins durch Schürfen
und Graben, in sogenannten Pingen am Ausbiss des fast senkrecht stehenden Erzganges.
Dann folgte der Stollenabbau von den tiefer liegenden Tälern aus und die Verhüttung des
Eisensteins bis 1.000 n. Chr. direkt vor Ort in Rennöfen, später in Hütten in der Nähe, wie z.B. die Alte Hütte bei Borscheid, die Neue Hütte oder Pleckhauser Hütte und zuletzt die Sayner Hütte bei Bendorf.

Auch der moderne Abbau wurde beleuchtet
Schließlich der moderne Abbau, einsetzend mit der Industrialisierung, den Kalscheid ebenfalls beleuchtete. Der Einsatz von Dampfmaschinen ermöglichte eine bessere Wasserhaltung und das Abteufen von Schächten im Nebengestein direkt neben dem fast senkrecht stehenden Erzgang. Die Verhüttung erfolgte jetzt im Ruhrgebiet. Außerdem wurde die Entwicklung des Siegerländer Bergbaus nach dem 2. Weltkrieg an Hand von Daten und Zahlen der Grube Georg deutlich gemacht.

Dargestellt wurden die einzelnen Arbeitsschritte im Bergbau wie Ausrichtung, Vorrichtung,
Abbau, Förderung, Aufbereitung bis zum Versand. Um diese Schritte bildlich darzustellen,
wurden Unterlagen und Bilder des letzten Betriebsleiters Stefan Kalscheid sowie viele Bilder des Bergmannes Heinz Wallau aus Willroth verwendet. Deutlich wird durch diese Präsentation aber auch, wie aufwendig es im gesamten Siegerland war, Eisenstein abzubauen, für die Verhüttung aufzubereiten und gleichzeitig auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Die Folgen kennen wir alle. Neben dem Bergbau wurde auch über die Geschichte und die Lebensbedingungen der Bergleute im vorderen Westerwald referiert. Am Ende der Versammlung dankte Bürgermeister Ottmar Fuchs in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Fördervereins Bergbau- und Hüttentradition Hans-Jürgen Kalscheid für seinen lehrreichen und ansprechenden Vortrag. (rsm)

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