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Nachricht vom 28.11.2015 - 23:00 Uhr    

Pille, Beat und Rebellion in Puderbach

Das Ensemble „THEATTRAKTION“ füllte mit seinem literarisch-theatralischen Salon „Pille, Beat und Rebellion“ zu den sechziger Jahren den Alten Bahnhof bis auf den letzten Platz. Die unterhaltsame Geschichts-Revue fand große Zustimmung, die nach Fortsetzung schreit.

Gewissensprüfung für Wehrdienstverweigerer. Fotos: Helmi Tischler-Venter.

Puderbach. Dr. Martin Henn stellte in seiner Begrüßungsrede fest, dass die meisten Zuschauer im Saal sich noch gut an die Sechziger erinnern könnten. Das bestätigte sich in den Pausengesprächen. Viele Menschen erkannten ihre Erlebnisse und das Verhalten ihrer Eltern in den Szenen genau wieder. Zitate wie „So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst…“ waren jedem allzu gut bekannt. Sätze wie „Männer, die gern Süßes essen, haben einen guten Charakter“ als Lebensmotto für die tüchtige Hausfrau erzeugten Heiterkeit.

Regisseur und Moderator Carl Gneist bezeichnete das Erinnern als eminent wichtig, denn „Sich erinnern zu können, macht uns erst zu Menschen.“ Wichtig sei auch das kollektive Gedächtnis, das den Zusammenhalt einer Gesellschaft bewirke. Es sei recht einfach gewesen, eine Typisierung der fünfziger Jahre zu erstellen, die Sechziger dagegen seien schwer zu packen. Das Jahrzehnt werde als Achsenzeit gesehen und sei sehr umstritten, „ein brodelndes Jahrzehnt“. Seine Ambivalenz wird schon in den ersten Liedern deutlich: Während in Deutschland Heidi Brühl ganz brav im Sinne der prüden Nachkriegszeit „Wir wollen niemals auseinandergehn“ sang, intonierte in den USA Bob Dylan „The Times are a changing“ – Die Zeiten ändern sich. Der Konflikt bahnte sich an.

Die sechs Schauspieler und Schauspielerinnen Julie Georgis, Martin Gerhards, Martina Greis, Charleen Henn, Sabine Knorr-Henn, Bastian Zeuner skizzierten zunächst schlagwortartig die Entwicklung des Jahrzehnts anhand nationaler und internationaler Ereignisse. Zunächst war der sehr alte Adenauer noch immer Kanzler, das Wirtschaftswunder lief, in den USA sagte Martin Luther King „I have a dream“ und der charismatische junge John F. Kennedy wurde Präsident. Dann folgten dramatische Ereignisse: Bau der Mauer, Sturmflut in Hamburg, das Wunder von Lengede, Nelson Mandela wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, Kuba-Krise, Mord an Kennedy, und der Vietnam-Krieg brach aus. Weltweit lehnten sich die jungen Leute gegen den Krieg und auch gegen den Lebensstil der Eltern auf! In Deutschland wollten die Jungen die Vergangenheit aufarbeiten und kritische Fragen an die Eltern stellen, während diese sich lieber weiter wegducken wollten. Das aufmüpfige Verhalten der eigenen Kinder enttarnte sie als immer noch braun infiziert: „So was wie euch hätte man bei Adolf…“

Wechselnde Methoden und Medien – Gedichte, Rollenspiele, Fotos, Filmausschnitte, Lieder, Märchen und Dialoge machten den Geschichtsunterricht kurzweilig. In elf Kapiteln wurden die zehn Jahre umfassend charakterisiert. Bemerkenswert ist dabei die Steigerung in den Kapiteln fünf bis acht: „V Die Kinder werden frech! – VI Die Frauen werden frech! – VII Wer zweimal mit derselben pennt… - VIII Die Revolte bricht aus: 1967 und 1968.“

Am Ende der Sechziger brummte die Konjunktur wieder, die Fremden kamen und blieben und Conny sang „Zwei kleine Italiener“. Live-Gesänge begleitete Justina Lisson am Klavier und für Musik, Licht und Video war Klaus Recke verantwortlich.

„Was bleibt?“ lautete der Epilog. Es bleibt die Erinnerung an ein sehr spannendes Jahrzehnt mit gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen, die bis in die Gegenwart wirken, an eine Zeit mit immer noch erfolgreicher Beat-Musik und an einen schönen Abend im Alten Bahnhof Puderbach mit „THEATTRAKTION“. htv

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