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Nachricht vom 31.10.2013 - 06:53 Uhr    

„Der Ton ist respektvoll – noch!“

Forst/Berlin. Seit elf Jahren ist Sabine Bätzing-Lichtenthäler aus Forst (Kreis Altenkirchen) Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit Montag nimmt sie als Mitglied der SPD-Delegation an den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU in der wichtigen Arbeitsgruppe Finanzen teil. NR-/AK-Kurier-Mitarbeiterin Eva Klein hat mit ihr darüber gesprochen, wie es dort hinter verschlossenen Türen und überhaupt in der großen Politik zugeht.

Die SPD-Wahlkreisabgeordnete Sabine Bätzing-Lichtenthäler aus Forst wird bald zum zweiten Mal Mutter. Zurzeit nimmt sie in Berlin an den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU in der wichtigen Arbeitsgruppe Finanzen teil. Foto: de.wikipedia.org

Als ich die Nummer des Abgeordnetenbüros in Berlin wähle und der freundliche Büromitarbeiter mich zum vereinbarten Telefontermin durchstellt, meldet sich am anderen Ende eine sympathisch klingende Stimme mit: “Bätzing – schönen guten Tag.“

Ich bin erstaunt, leicht verwirrt, denn meiner bisherigen Meinung nach bestehen Menschen mit einem Doppelnamen auch auf dessen vollständiger Verwendung. Erleichtert, das etwas sperrige “Frau Bätzing-Lichtenthäler“ nicht verwenden zu müssen, plaudere ich mit ihr über den Grund meines Anrufes aus der Heimat, bevor ich mit einer entspannt und gut gelaunt wirkenden Frau Bätzing (-Lichtenthäler) das Interview beginne.

Eva Klein: Wie empfinden Sie die momentane Atmosphäre innerhalb der Verhandlungen? Ist der allgemeine Tonus eher angespannt oder freundlich? Kurz – wie kommen die beiden größten Parteien Deutschlands an einem Tisch miteinander zurecht?

S. Bätzing-Lichtenthäler: Im Moment ist es eher noch ein vorsichtiges Abtasten. Jeder lässt die Muskeln spielen und die Union macht meiner Meinung nach mehr als deutlich, dass sie der Wahlsieger ist und dementsprechend das Sagen hat. Es ist aber auch klar, dass jeder den anderen in gewisser Weise braucht, wenn die große Koalition gelingen soll. Von Abgeordneten, die schon 2005 bei den Verhandlungen dabei waren weiß ich auch, dass die damaligen Gespräche deutlich mehr auf Augenhöhe stattfanden, der Ton ist aber nach wie vor professionell und respektvoll – noch!“

Eva Klein: Seit 2002 sind Sie Mitglied des Deutschen Bundestages und aktuell Teil des siebenköpfigen Expertenteams, dass die SPD in der Arbeitsgruppe Finanzen in die Koalitionsverhandlungen schickt. War Ihre damalige Entscheidung in die Politik zu gehen eine bewusste Handlung, oder hat sich ihre berufliche Laufbahn rückblickend so ergeben?

S. Bätzing-Lichtenthäler: „Also bewusst war damals 1994 nur mein Eintritt in die Partei. Ich war ja damals das rote Schaf in der schwarzen Familie und habe dann alle Ebenen in der Partei durchlaufen. 2002 ergab sich nach dem Rücktritt des vorherigen Kandidaten für mich die Möglichkeit, mich für die Kandidatur zu bewerben. Wir waren damals sieben Bewerber – fünf Frauen und zwei Männer – überraschend konnte ich mich durchsetzen. Ich war damals 26 Jahre alt und zu diesem Zeitpunkt wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass es eventuell Richtung Bundestag geht. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich mit meiner Aufgabe bei der Verbandsgemeinde Altenkirchen sehr zufrieden und hatte mich mit einer beruflichen Entwicklung in der Politik gar nicht befasst.“

Eva Klein: Beschreiben Sie bitte einen Tag im Ihrem beruflichen Leben – gerade jetzt im Zuge der Koalitionsverhandlungen. Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

S. Bätzing-Lichtenthäler: „Meist packe ich morgens meine Koffer, bringe dann unsere Tochter zum Kindergarten und fahre anschließend zum Flughafen. Unterwegs kann ich schon die ersten kleineren Arbeiten erledigen – Mails checken, Stellungnahmen lesen und die Termine des Tages durchgehen. In Berlin angekommen, geht es meist erst ins Büro, wo zur Zeit ein Stapel Interessensschreiben der Lobbyisten auf mich wartet und natürlich auch viele Interviewanfragen. Dann geht es weiter mit den Sitzungen der Arbeitsgruppe, bzw. mit Vorbereitungen dafür. Für die Koalitionsgespräche haben wir zwei Sitzungen pro Woche anberaumt. Die erste dauerte dreieinhalb Stunden. Aber das war mehr oder weniger nur Vorgeplänkel. Ich schätze, dass nächste Woche die heiße Phase beginnt, in der die Karten auf den Tisch gelegt werden. Am 30. November ist Stichtag, denn bis dahin müssen die Gespräche beendet sein und idealerweise auch zu Ergebnissen geführt haben. Ich denke, dass die Verhandlungen gegen Ende zu einem Endlos-Marathon werden. Abends fliege ich zurück nach Hause und bin froh, dann noch ein bisschen Zeit mit meiner Familie verbringen zu können.“

Eva Klein: Unabhängig von Ihrer momentanen Aufgabe in der Arbeitsgruppe Finanzen – welches Wahlthema der SPD liegt Ihnen persönlich am Herzen? Auf welche Forderung kann die SPD Ihrer Auffassung nach im Zuge der Koalitionsverhandlungen nicht verzichten?

S. Bätzing-Lichtenthäler: „Ganz klar der Mindestlohn! Wenn wir den nicht durchsetzen, haben wir einen Großteil unserer Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ich muss hier auch nochmal ganz klar betonen, dass am Ende der Verhandlungen ein Koalitionsentwurf stehen wird. Dieser wird allen Mitgliedern der SPD ganz im Sinne der Demokratie zur Abstimmung vorgelegt. Wenn die Mehrheit sich dagegen entscheiden sollte, waren vier Wochen Verhandlungen umsonst. Aber so funktioniert eine Demokratie. Was danach kommt, weiß ich nicht. Ein weiteres Thema, dass mir unter den Nägeln brennt, ist die Zukunftssicherung durch die Rentenpolitik. Wir können dieses Thema nicht einfach auf die nächste Generation abwälzen, sondern müssen jetzt handeln. Deshalb brauchen wir ja auch die vermehrten Steuereinnahmen im Bereich des Spitzensteuersatzes.“

Eva Klein: Wenn Sie mit vier Adjektiven Ihr berufliches und privates Leben beschreiben sollten, welche würden Sie wählen und auf was davon könnten Sie gar nicht verzichten?

S. Bätzing-Lichtenthäler: „Abwechslungsreich, spannend, anstrengend, herausfordernd. Ich könnte nicht auf die Herausforderung verzichten, denn sie macht meinen Alltag interessant und hält mich jung und flexibel.“

Eva Klein: Sie werden in naher Zukunft zum zweiten Mal Mutter – dazu herzlichen Glückwunsch – wie wird ihre Perspektive dann aussehen? Werden Sie Ihre Ämter noch voll ausüben können?

S. Bätzing-Lichtenthäler (lacht):
„Danke! Im April 2014 ist es soweit. Glücklicherweise ist dann die Sommerpause nicht mehr weit, sodass ich im September meinen Aufgaben in Berlin hoffentlich wieder voll nachgehen kann. Im Wahlkreis möchte ich einige Termine schon früher wieder wahrnehmen, aber den konkreten Plan legt unser neues Familienmitglied fest. Mein Mann wird in Elternzeit gehen und auch der Rest der Familie unterstützt mich, damit wir beides unter einen Hut kriegen.“

Eva Klein: Beenden Sie bitte folgenden Satz: „Wenn ich einen Tag lang das Amt der Bundeskanzlerin inne hätte, würde ich....“

S. Bätzing-Lichtenthäler: „... ganz pragmatisch den Mindestlohn durchsetzen und neben all den Themen wie Rente, Arbeit und Finanzen auch mal Themen wie Menschenrechte, Gesellschaft und Demokratie in den Vordergrund rücken. Denn manchmal kommt das Visionäre in der Politik einfach zu kurz.“


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