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Nachricht vom 09.10.2012 - 21:52 Uhr    

Macht die Biogasanlage in Anhausen das Wasser sauer?

Fische sterben im Burbach, ein Brunnen wurde gesperrt, Rinder von den Weiden geholt – Betreiber-Gesellschaft (Süwag): Haben keine Erklärung – Wasserbehörde ordnet Veränderungen an

Thalhausen. Der Burbach hat den Ort Jahrhunderte lang mit Trinkwasser versorgt. Oberhalb vom Dorf entspringt seine Quelle. Seit einigen Tagen riecht das Wasser unangenehm säuerlich. An mehreren Stellen bilden sich bräunlich-graue Schaumkronen auf dem Wasser. In einem Forellenteich sind mehrere Fische verendet. Ein Bauer hat vorsorglich seine Rinder von der Weide genommen, durch die der Bach fließt. Die Schuld für den Ärger geben viele der im Sommer in Betrieb gegangenen Biogasanlage im Gewerbegebiet Petershof.

Armin Neuß vom Angelsportverein Thalhausen zeigt auf die Quelle des Burbachs. Das Wasser sieht trüb und schaumig aus, es riecht hier stark nach Silage. Früher, sagt Armin Neuß, habe man aus dieser Quelle klares Wasser trinken können. Fotos: Holger Kern

Am Mittwoch voriger Woche (3.10.) sind aufmerksamen Bürgern die Veränderungen am Burbach aufgefallen. Sie haben es dem Ortsbürgermeister gemeldet und der hat die Verbandsgemeinde-Wasserwerke in Rengsdorf informiert. Hans-Werner Breithausen, der zuständige Werkleiter, hat Wasserproben nehmen lassen. Ergebnisse liegen noch nicht vor, sagte er am heutigen Dienstag (9.10.) zum NR-Kurier.

Breithausen ist sich nach einer Überprüfung der Biogasanlage sicher: „Die Kanalisation und das Regenüberlaufbecken weisen keine Schäden auf. Von da aus können keine Abwässer ausgetreten sein.“ Den Brunnen in der Ortsmitte von Thalhausen hat er dennoch vorige Woche nach Bekanntwerden der Verunreinigungen vorsorglich sperren lassen. Ortsbürgermeister Volker Lemgen hat den Kausener Landwirt Andre Müller über die Vorkommnisse am Burbach informiert. Müller nimmt mit schottischen Highland-Rindern an einem Beweidungsprogramm für verbuschte Auenwiesen teil. Das Risiko, dass die wertvollen Rinder von dem verunreinigten Wasser krank werden, ist ihm zu groß. Er hat die Tiere auf eine andere Weide gebracht.

Das Wasser des Burbachs, das einer Quelle unweit der Biogasanlage entspringt, riecht stark säuerlich, wie nach Silofutter. Im Glauben, die Untere Wasserbehörde in Neuwied sei für die Abwasserangelegenheiten der Biogasanlage zuständig, wurden die Missstände auch dort mitgeteilt. Ein Mitarbeiter, bestätigt der Sprecher der Kreisverwaltung, fuhr nach Anhausen und nahm die Anlage in Augenschein. Was er sah, hat ihn wohl nicht beruhigt. Er soll das vorübergehende Einstellen der Belieferung mit Gärstoffen angeordnet haben, um ein weiteres Abfließen von Flüssigkeiten von dem Gelände zu verhindern. Fachlich zuständig für Genehmigung und Betrieb der Anhausener Biogasanlage ist aber die Außenstelle Montabaur der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Regionalstelle Wasserwirtschaft.

Auch in Montabaur sind die Vorfälle um die Biogasanlage bekannt. Auf Nachfrage heute (9.10.) in dem Amt wurde bestätigt, dass dem Betrieb die weitere Versickerung von Regen- und Oberflächenwasser in das umliegende Gebiet untersagt wurde. Es könne keine klare Trennung von belastetem und unbelastetem Wasser gewährleistet werden. Der Zustand der Anlage könne so nicht bleiben, wie er im Moment ist. Es müsse „so schnell wie möglich“ etwas passieren. Zeitliche Vorgaben hat das Amt dem Betreiber nicht gemacht.

Die Biogasanlage in Anhausen gehört der Bioenergie Kirchspiel Anhausen GmbH & Co. KG. Mehrheitseigner ist die Süwag Energie AG. Deren Mitarbeiter Dirk Gerber in Frankfurt ist Geschäftsführer der Bioenergie-Gesellschaft in Anhausen. Die restlichen Anteile verteilen sich auf genossenschaftliche Mitglieder. Dirk Gerber sagte am heutigen Dienstag zum NR-Kurier, angesprochen auf die Störungen der Biogasanlage: „Wir können es uns momentan nicht erklären.“ Am Freitag (12.10.) trifft sich Gerber auf der Anlage in Anhausen mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamts Montabaur, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Was mit den verendeten Fischen am Burbach passiert und wann die Rinder wieder auf ihre Weiden dürfen, weiß im Moment niemand. Holger Kern

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
       
     


Kommentare zu: Macht die Biogasanlage in Anhausen das Wasser sauer?

6 Kommentare

Neben der Fragwürdigkeit, Lebensmittel für Energie zu verwenden, machen mir die Umweltprobleme große Sorgen.
In http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/menschen_und_schlagzeilen/biogas127.html ist u.a. folgendes zu lesen:
"Biogas-Strom verursacht neue Umweltprobleme
… „Vermaisung“ haben Naturschützer dieses Phänomen getauft. Und das hat Folgen für die Umwelt. Vor allem die Wasserwirtschaft schlägt Alarm: Sie sieht das Grundwasser in Gefahr.
Denn der viele Mais bringt hohe Konzentrationen von Stickstoff im Boden mit sich. Stickstoff, der in einigen Regionen durch den Umbruch vom Grünland freigesetzt wird, in anderen Regionen durch jahrzehntelange Düngung ohnehin schon im Boden schlummert. Einen Teil dieses Stickstoffs braucht der Mais zum Wachsen. Doch längst nicht alles. Der Rest bleibt an den Bodenoberfläche, verwandelt sich in Nitrat und droht im Herbst ins Grundwasser "ausgewaschen" zu werden.
So bedroht der Maisanbau nicht nur unser Trinkwasser. Er beschert den angeblich so umweltfreundlichen Biogasanlagen darüber hinaus auch eine ganz schlechte Klimabilanz. Denn in den Böden werden auch riesige Mengen Kohlenstoffdioxid gespeichert. Wenn nun Grünland umgebrochen wird, um darauf Mais anzubauen, wird massenweise CO2 freigesetzt. Pro Jahr und Hektar gelangen 10 Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Wird aus dem so angebauten Mais dann Biogas, ist die Klimabilanz dieses Stroms kaum besser, als die eines Kohlekraftwerks. Eine absurde politische Fehlsteuerung.“
Andrea W.

#6 von Andrea Weger, am 15.10.2012 um 12:11 Uhr
Wie kann man sowas mit seinem Gewissen vereinbaren?
Anhausen hat Biogas und die Thalhauser haben die Sch.....
Seit 2 Wochen sprudelt die stinkende Brühe aus der Quelle und läuft munter ins Tal. Statt wie in der Zeitung geschrieben, wird es immer schlimmer.
Auch im Badeweiher in Thalhausen sterben die Fische!!!!!!
#5 von Kerstin, am 15.10.2012 um 05:00 Uhr
Jetzt zeigt sich, dass die Bedenken der Anwohner, die bei der Planung der Anlage belächelt wurden absolut berechtigt waren. Ich bin schockiert! Es bleibt zu hoffen, dass diese Tragödie nicht ohne Konsequenzen bleibt, so sehr wir uns die Energiewende auch wünschen...
#4 von Judith Michaela, am 14.10.2012 um 10:40 Uhr
Und das ist noch nicht das Ende. Es wird noch schlimmer kommen, siehe Seite 14: "[...] Dadurch und durch den niedrigen pH-Wert der Sickersäfte kann es zu einer nachteiligen Veränderung der rundwasserbeschaffenheit, insbesondere zu einer Mobilisierung u.a. von Eisen, Arsen und Schwermetallen kommen." Spätestens jetzt sollte es bei jedem in den Ohren klingeln der solch eine Anlage zu verantworten hat.

#3 von Matthias F., am 11.10.2012 um 13:29 Uhr


www.lfl.bayern.de/publikationen/daten/informationen/p_35534.pdf
Seite 13:
"Wenn Silagesickersäfte in Oberflächengewässer gelangen, werden diese geschädigt durch
― Ammoniak,
― sauerstoffzehrende Stoffe,
― Pflanzennährstoffe.
Mit dem Ansteigen von Temperatur und pH-Wert bildet sich im Gewässer aus Ammonium
(NH4+) Ammoniak (NH3). Ammoniak ist bereits in sehr geringen Konzentrationen für Fischbrut
und manche Fischarten stark giftig oder gar tödlich."

Das Problem ist nicht bei der Biogasanlage selbst, sondern beim Bau, der Auslastung und beim Betrieb der Silos zu suchen. Wenn diese nicht korrekt genutzt und gewartet werden kommt der Mais-Gärsaft über das Regen- und Oberflächenwasser ins Grundwasser und bis in die Bachquellen. Fehler sind nicht bei dem Grundgedanken der Biogasanlage zu suchen sondern bei den Menschen, die die Anlage oder die dazu notwendige Infrastruktur (Silo) falsch betreiben. Ist das Managment dieser Anlagen überdacht?

Ohne Zweifel ist dieser Zustand für die Fisch-, Vieh- und Landwirtschaft eine Katastrophe. Und das ist noch nicht das Ende. Es wird noch schlimmer kommen, siehe Seite 14: "[...] Dadurch und durch den niedrigen pH-Wert der Sickersäfte kann es zu
einer nachteiligen Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit, insbesondere zu einer Mobilisierung
u.a. von Eisen, Arsen und Schwermetallen kommen." Spätestens jetzt sollte es bei jedem in den Ohren klingeln der solch eine Anlage zu verantworten hat.
#2 von Matthias F., am 11.10.2012 um 13:27 Uhr
Wir haben uns der Öko-Diktatur um Wagenknecht und Co beugen müssen und erfahren nun eine ökologische Katastrophe. Logische Folge, wenn man verblendete Gutmenschen gewähren lässt.
#1 von Eugen Prinz, am 11.10.2012 um 07:56 Uhr

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